Kurz zusammengefasst: Wenn ein Hörgerät pfeift, entweicht Schall aus dem Gehörgang und wird vom Mikrofon wieder eingefangen, das nennt man Rückkopplung. Die häufigste Ursache ist eine falsch oder schlecht sitzende Otoplastik bzw. ein nicht richtig eingesetztes Schirmchen. Weitere Auslöser sind Cerumen im Gehörgang sowie Verschleiß an Otoplastik und Schallschlauch. Mit der Checkliste unten findest du den Grund meist selbst.
Warum pfeift ein Hörgerät überhaupt?
Das Pfeifen ist ein akustischer Kurzschluss: Verstärkter Schall, der eigentlich im Gehörgang bleiben sollte, entweicht und gelangt zurück ins Mikrofon. Das Hörgerät verstärkt ihn erneut und aus dieser Schleife entsteht der Pfeifton. Die Ursache ist also fast immer eine undichte Stelle zwischen Ohr und Hörsystem.
Ursache Nummer eins: der Sitz im Ohr
Aus unserer täglichen Praxis im Fachgeschäft können wir sagen: Der mit Abstand häufigste Grund ist eine falsch oder schlecht sitzende Otoplastik oder ein Schirmchen (Dome), das nicht richtig im Gehörgang sitzt. Mehr zu Sitz, Reinigung und Wechsel im Ratgeber Schirmchen.
Bei Hinter-dem-Ohr-Geräten (HdO)
Wenn du eine Otoplastik trägst, prüfe der Reihe nach: Sitzt sie richtig im Ohr? Klebt Ohrenschmalz an ihrer Außenwand? Schon ein kleiner Belag kann die Abdichtung unterbrechen. Hat die Otoplastik sichtbare Schäden? Und falls sie einen Schallschlauch hat: Ist der Schlauch unbeschädigt, weich und flexibel? Ein ausgehärteter oder gerissener Schlauch muss getauscht werden.
Wenn du ein Schirmchen trägst, prüfe, ob Hörer und Schirmchen komplett im Gehörgang verschwinden. Das Kabel des Hörers sollte am Übergang von Ohr zu Kopf an der Haut anliegen. Sehr häufig sitzt der Hörer mit Dome nur locker in der Ohrmuschel statt im Gehörgang und genau dann pfeift es.
Ein Hinweis, den kaum jemand kennt: Unsere Ohren wachsen ein Leben lang. Otoplastiken, die älter als etwa 3 Jahre sind, dichten deshalb oft nicht mehr richtig ab und beginnen zu wackeln. Dann hilft nur ein neuer Abdruck beim Akustiker und eine neue Otoplastik.
Bei Im-Ohr-Geräten (IdO)
Bei Im-Ohr-Geräten gelten dieselben Grundsätze, wir unterscheiden dabei zwei Bauformen. Maßangefertigte IdO behandelst du wie eine Otoplastik, nur ohne Schallschlauch: Sitz prüfen, Außenwand von Ohrenschmalz befreien, auf Schäden kontrollieren. Sie werden häufig etwas größer gefertigt, damit sie auch nach mehr als 3 Jahren noch gut passen. IdO mit Schirmchen (zum Beispiel das Signia Silk oder das AudioService quiX) solltest du besonders auf den richtigen Sitz kontrollieren, denn diese Bauform neigt eher dazu, im Gehörgang zu verrutschen. Es gibt sie auch mit einer sehr kleinen Otoplastik, dann gilt das Gleiche. Für die Reinigung eignen sich auch bei IdO das auriFIX-Spray und Reinigungstücher.
Die Selbsthilfe-Reihenfolge
- Otoplastik, Schirmchen bzw. IdO herausnehmen, reinigen und bewusst neu einsetzen.
- Otoplastik, Schlauch und Schirmchen auf Schäden und Aushärtung prüfen.
- Das Gerät mit auriFIX-Spray oder einem Reinigungstuch säubern.
Wann du zum Akustiker solltest
Pfeift es nach allen Checks weiter, sollte das Ohr selbst geprüft werden: Ein verstopfter Gehörgang kann ebenfalls Rückkopplungen auslösen. Der Akustiker schaut ins Ohr und verweist bei Bedarf zur Reinigung an den Ohrenarzt. Alternativ kann eine Nachanpassung der Hörgeräte nötig sein.
Häufige Fragen
Warum pfeift mein Hörgerät nur beim Einsetzen? Das ist normal: Solange das System nicht dicht im Ohr sitzt, entweicht Schall. Verschwindet das Pfeifen nach dem Einsetzen nicht, stimmt der Sitz nicht.
Warum pfeift es, wenn ich die Hand ans Ohr halte? Die Hand reflektiert den Schall zurück zum Mikrofon. Ein kurzes Pfeifen dabei ist unbedenklich.
Mein Hörgerät ist über 3 Jahre alt und pfeift immer öfter. Ist das Zufall? Wahrscheinlich nicht. Prüfe, ob die Otoplastik noch fest sitzt. Nach etwa 3 Jahren ist oft eine neue fällig, weil sich der Gehörgang verändert hat.
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