Kurz zusammengefasst: Dass die eigene Stimme mit neuen Hörgeräten fremd klingt, ist normal und hat zwei Gründe: Du hörst dich wieder über den Luftweg, den du lange nicht mehr voll wahrgenommen hast. Zusätzlich verstärkt der Gehörgang bei geschlossener Versorgung den Körperschall (Okklusionseffekt). Beides bessert sich mit der Gewöhnung, wo nicht, kann der Akustiker nachjustieren.

Der Kassettenrekorder-Effekt, nur umgekehrt

Kennst du das Gefühl, die eigene Stimme auf einer Aufnahme zu hören? "Klinge ich wirklich so?" Bei der Aufnahme hörst du dich nur über den Luftweg, der gewohnte Anteil über den Knochen und seine Vibrationen fehlt, deshalb klingt die Stimme verändert. Mit Hörgeräten passiert genau das Umgekehrte: Mit einer unversorgten Schwerhörigkeit hörst du dich hauptsächlich über die Vibrationen, die beim Sprechen über den Knochen ins Ohr übertragen werden, denn der Luftweg ist eingeschränkt. Die Hörgeräte bringen die Verstärkung über die Luft zurück, du hörst wieder annähernd wie ein Normalhörender und lernst deine eigene Stimme erst wieder neu kennen.

Der Okklusionseffekt

Dazu kommt ein zweiter Mechanismus: Verschließt eine Otoplastik, ein maßangefertigtes IdO oder ein geschlossenes Schirmchen den Gehörgang, kann der Körperschall deiner Stimme nicht mehr entweichen und wird im Ohr lauter wahrgenommen. Das klingt hohl oder dröhnend, ähnlich wie beim Sprechen mit zugehaltenen Ohren. Fachleute nennen das Okklusionseffekt.

Gewöhnung oder Technik?

Am wirksamsten ist hier der Akustiker: Gerade den störenden Okklusionseffekt bekommt ein erfahrener Fachmann meist schnell in den Griff, etwa mit einer Belüftungsbohrung in der Otoplastik, einer offeneren Versorgung oder einer angepassten Einstellung. Mit der richtigen Anpassung ist häufig schon beim Kontrolltermin eine deutliche Verbesserung erreichbar. Den verbleibenden Luftweg-Anteil, also das ungewohnte Hören der eigenen Stimme über die Luft, gewöhnt sich das Gehör innerhalb einiger Wochen an. Die Gewöhnung bleibt damit ein wichtiger Faktor, den größten Schritt macht jedoch die fachgerechte Einstellung. Wie die Eingewöhnung insgesamt gelingt, erfährst du in unserem Ratgeber zur Eingewöhnung. Sollte das hohle Gefühl bestehen bleiben, sprich es beim nächsten Kontrolltermin an.

Häufige Fragen

Wie lange dauert es, bis sich die eigene Stimme normal anhört? Meist wenige Tage oder Wochen, vorausgesetzt, du trägst die Geräte konsequent. Je mehr Tragezeit, desto schneller die Gewöhnung.

Ich höre mich beim Kauen so laut. Gehört das dazu? Ja, auch Kaugeräusche laufen über den Körperschall und werden bei geschlossener Versorgung deutlicher. Meist hilft die Gewöhnung, zusätzlich kann der Akustiker mit Anpassungen einiges verbessern.

Kann ich selbst etwas einstellen? Nein, die Belüftung und die Anpassung sind Sache des Akustikers. Eigenes Ausprobieren verschlechtert meist das Ergebnis.

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